Man könnte glatt daran vorbeigehen: ein paar grüne Halme, die bei Ebbe aus dem Wasser ragen. Doch laut Wissenschaftlern ist Seegras genauso wichtig wie ein Korallenriff. Nur sind mehr als 90% der niederländischen Seegraswiesen verschwunden. In Zusammenarbeit mit Purina zogen wir daher unsere Gummistiefel an und begaben uns gemeinsam mit den Sea Rangers und Forschern der Reichsuniversität Groningen in die Oosterschelde. Denn wie bekommt man so ein verschwundenes Seegrasfeld eigentlich wieder zurück?
Warum Seegras so dringend benötigt wird
Gummistiefel an, Regenjacke zu und ab in den Süden. Zusammen mit den See-Ranger, Forscher der Reichsuniversität Groningen und Rijkswaterstaat gingen ins Seegrasfeld, um herauszufinden, was hier genau wächst. Lektion eins: Seegras ist kein Algenkraut, sondern eine blühende Pflanze mit Wurzeln, die unter Wasser ganze Felder bilden kann. Dort finden allerlei Meerestiere Nahrung und Schutz und junge Fische einen sicheren Ort zum Aufwachsen. Seegras hält außerdem Schlamm an seinem Platz, bremst Wellen und Strömung und bindet Kohlenstoff. Und das nicht zu knapp. ‘Seegras kann Kohlenstoff bis zu 35 Mal schneller binden als tropischer Regenwald’, erzählt die Seegrasforscherin Laura Govers. Durch Verschmutzung, Klimawandel und die immer intensivere Nutzung des Meeres ist weltweit viel Seegras verschwunden. Einmal weg, kommt es nicht einfach so zurück. Deshalb helfen die Sea Rangers und die Forscher an verschiedenen Orten in Europa bei der Wiederherstellung, darunter in der Oosterschelde.



Sea Ranger beobachten aus der Nähe, wie es dem Seegras geht. Die jungen Pflanzen sind empfindlich und werden daher genau überwacht.
Die Anlegung eines Seegraswiesenfeldes ist eine große Operation
Eine Handvoll Samen in die Oosterschelde streuen und die Natur den Rest machen lassen, so einfach ist es leider nicht. Seegras zurückzubringen geht grob auf zwei Arten: indem man Samen in den Boden injiziert oder indem man komplette Seegrasrasen versetzt. An dem Ort, den wir besuchten, geschieht dies mit Samen von einjährigem Großem Seegras. Das stirbt nach dem Sommer ab und muss im nächsten Frühjahr also wieder aus Samen aufgehen. Da noch zu wenig Seegras wächst, um ausreichend Samen zu liefern, holen die Sea Rangers diesen aus gesunden Feldern anderswo in Europa wie Kantabrien, Dänemark und Norddeutschland. Die neuen Pflanzen machen anschließend selbst Samen, aus denen hoffentlich im Jahr darauf wieder ein größeres Feld wächst. Bei mehrjährigem Kleinem Seegras funktioniert es anders, wie wir lernten, als wir auf dem Boden des Meeres standen. Dort werden runde Rasenstücke versetzt, mit Pflanzen, Wurzeln und Boden und allem. Seit 2023 sind so bereits mehr als 150 Tausend Samen injiziert und gut 13,5 Tausend Seegrasrasenstücke ausgepflanzt worden. Fazit: Seegras zurückzubringen ist eine enorme Arbeit. Man braucht viele Hände, ausführliche Forschung und ordentlich Geld.
Laura und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Reichsuniversität Groningen untersuchen, welche Methode an welchem Ort die größten Chancen hat. Die Sea Rangers und Forschenden stehen anschließend mit ihren Stiefeln im Schlick, um zu säen, zu pflanzen und zu kontrollieren. ‘Die Niederlande arbeiten schon seit den fünfziger Jahren an der Seegraswiederherstellung’, erzählt Laura. ‘Wir sind darin führend. Die ganze Welt schaut darauf, was wir hier in Niederlande tun.’ Purina ist als Partner an der Wiederherstellung von Seegras in der Oosterschelde beteiligt. Dieses Engagement ist nicht zufällig. Purina verwend Fisch in Katzenfutter, vor allem Beifangprodukte wie Köpfe und Organe. Darin befinden sich gerade wichtige Nährstoffe für Katzen. Ein Teil dieses Fisches hat das MSC-Siegel. Aber Purina möchte nicht nur nachhaltiger gefangenen Fisch verwenden, das Unternehmen möchte auch zur Wiederherstellung des Ökosystems beitragen, aus dem dieser Fisch stammt. Deshalb unterstützt Purina in Europa verschiedene Projekte, die Seegraswiesen, Austernriffe und Algenwälder wiederherstellen, darunter die Arbeit der Sea Rangers in der Oosterschelde.



Messen ist wissen: Die Sea Rangers erfassen, wo das Seegras wächst und wie sich das Feld entwickelt.
Seeranger: Ein Traumjob?
Bezahlte Arbeit im Freien in der Natur, Seegras pflanzen und dabei lernen, auf See zu arbeiten: Wir könnten uns schlechtere Jobs vorstellen. Die Sea Rangers, die wir treffen, sind meist junge Menschen, die Forschern beim Pflanzen und Überwachen von Seegras helfen. Hinter diesem Traumjob steckt auch ein soziales Ziel. Der Sea Ranger Service schafft Arbeitsplätze in Küstenregionen, indem er junge Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren rekrutiert und sie in einem intensiven Bootcamp auf bezahlte Arbeit auf See vorbereitet. Dafür muss man weder Biologe noch erfahrener Seemann sein. Wer ausgewählt wird, erhält einen Vollzeitvertrag, sammelt Berufserfahrung und kann anschließend im maritimen Sektor weitermachen. Veteranen der Marine helfen bei der Ausbildung. Und an Interesse seitens der Frauen mangelt es nicht: Mehr als 70% der Bewerber sind Frauen, während der maritime Sektor nach wie vor vor allem eine Männerdomäne ist. Toll!
1.500 Hektar Seegraswiesen, Austernriffe und Tangwälder
Während das Wasser langsam wieder stieg und Gewitter drohte, war es für uns Zeit, das Seegrasfeld zu verlassen. Für die Sea Rangers und Forscher geht die Arbeit in den kommenden Jahren einfach weiter. An zwei aussichtsreichen Stellen in der Oosterschelde wird inzwischen an insgesamt acht Hektar Seegraswiederherstellung gearbeitet. Die Forscher verfolgen, welche Pflanzen überleben und sich ausbreiten, aber auch, welche Meeresbewohner angelockt werden. Was sie hier lernen, können sie anschließend bei Wiederherstellungsprojekten an anderen Orten in Europa nutzen. Über das breitere europäische Wiederherstellungsprogramm möchte Purina im Jahr 2030 zur Wiederherstellung von 1.500 Hektar Seegrasfeldern, Austernriffen und Seetangwäldern beigetragen haben. Das sind ungefähr 2.300 Fußballfelder. Ein großes Ziel, denn wie Laura uns ans Herz legte: Seegraswiederherstellung erfordert einen langen Atem. Aber wenn all die kleinen grünen Halme bald wieder komplette Felder bilden, ist das Stapfen in dem seeländischen Schlamm mehr als die Mühe wert!
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- Siehe auch: Auf einem Spaziergang zur Wildsammlung!
- Siehe auch: auf Städtetrip in Dokkum.
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