Die meisten Pfandsammler machen es für ein zusätzliches Taschengeld. Verstehen wir völlig! Großes Lob an alle, die nebenbei auch noch Straßen, Parks und Straßenränder ein Stück sauberer machen. Aber wie besonders ist es, wenn man in seiner Freizeit Dosen, Flaschen und anderen Müll aufräumt, während Geld eigentlich Nebensache ist? Annelies von De Groene Witte tut genau das. Sie findet Müll auf der Straße furchtbar und anstatt darüber zu klagen, tut sie etwas dagegen. Saskia ging einen Morgen mit ihr durch Utrecht und entdeckte, wie viel Unterschied eine Person mit einem Greifer, einem Müllsack und ein bisschen Durchhaltevermögen machen kann.
Rauben entlang der Utrechter Singel
Wir gehen entlang der Utrechter Singel, als Annelies plötzlich ihren Greifer in Richtung Gebüsch streckt. ‘Schau, da liegt schon wieder was.’ Innerhalb weniger Minuten verschwinden mehrere Dosen, Plastikflaschen, leere ChipsTüten und anderer Plastikmüll in den Müllsäcken, die wir mitgenommen haben: einen für Pfand und einen für Müll im öffentlichen Raum. Wenn wir schon einmal hier entlanggehen, sammeln wir lieber alles auf. ‘Außer Zigarettenkippen’, sagt Annelies lachend. ‘Dagegen ist wirklich kein Ankommen.’ Und sie hat recht. Sobald man darauf achtet, sieht man sie überall liegen. Um Bänke herum, neben Mülleimern und einfach mitten auf der Straße. Das Gleiche gilt übrigens für leergetrunkene Dosen, Verpackungen und Snackmüll. Die Stadt wirkt ziemlich sauber, bis man mit einem Greifer herumgeht.
Annelies ist Gründerin von Das Grüne Weiße. Ihre Mission? Utrecht sauberer machen und so viele Menschen wie möglich dafür zu begeistern, beim Sammeln mitzumachen. Denn ihrer Meinung nach muss diese Scham einfach weg. Und gerade durch das gemeinsame Tun merkt sie, dass diese Hemmschwelle schnell verschwindet.
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Pfand und Müll sammeln für die Natur
Unterwegs erzählt Annelies, wie De Groene Witte einst begann. Vor etwa sieben Jahren war sie bei ihrem Onkel und ihrer Tante auf Terschelling, als dort eine enorme Menge Container von einem Containerschipp ins Meer stürzte. Der Inhalt spülte an den Strand. ‘Überall lag Plastik, Verpackungen und Müll. Dieses Bild blieb wirklich hängen’, erzählt sie. Wieder zurück in Utrecht beschloss sie, dass sie auch näher an der Heimat etwas tun wollte. Nicht nur sich über wilden Müll ärgern, sondern einfach anfangen. Mit einer Greifzange, einem Müllsack und ein Instagram-Konto womit sie ihre Aufräumrunden teilt.
Mittlerweile organisiert sie regelmäßig Müllsammelaktionen in Utrecht. Einfach niedrigschwellig, eine Stunde spazieren gehen und währenddessen Müll aufheben. Manchmal beginnen sie mit Kaffee, danach ziehen sie gemeinsam in die Stadt los. ‘Alleine fühlt es sich manchmal doch noch ein bisschen unangemessen an’, gibt sie zu. ‘Früher fragten die Leute manchmal, ob ich Sozialstunden ableiste.’ Darüber muss sie selbst laut lachen. Heutzutage erhält sie vor allem positive Reaktionen. Daumen nach oben von Passanten, Komplimente und regelmäßig Menschen, die sagen, dass sie es selbst eigentlich auch öfter tun wollen. Und genau dieses gemeinsame Sammeln hilft ihrer Meinung nach enorm. ‘Sobald man in einer Gruppe ist, verschwindet diese Scham sofort. Dann wird es eigentlich einfach sehr gemütlich.’



Ein Spaziergang durch den Singelpark in Utrecht bringt schnell eine ordentliche Menge Pfand ein.
Pfand sammeln: Ein zwiespältiges Gefühl
Am Ende des Vormittags haben wir eine nette Ausbeute an Pfand gesammelt. Das Meiste finden wir um Bänke herum, im Gras, wo gepiknickt wurde, und sogar im Wasser treibend. Genug für Kaffee und ein Stück Torte, scherzen wir noch. Aber ehrlich, das Geld fühlt sich eigentlich völlig unwichtig an. Was vor allem hängen bleibt, ist dieses verrückte doppelte Gefühl während des Aufhebens. Auf der einen Seite wird man ziemlich traurig darüber, wie viel Müll offenbar auf der Straße und im Grün landet. Sobald man darauf achtet, sieht man ihn überall. Aber gleichzeitig gibt es auch viel Befriedigung, etwas zurückzugeben. Einen Ort buchstäblich sauberer zu hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat. Und vielleicht noch das Schönste: die Reaktionen anderer Leute. Daumen von Passanten, ein Lächeln, jemand der ‘Gut gemacht!’ ruft. Es nimmt doch ein bisschen diese Unbeholfenheit weg, die man vorher vielleicht fühlt, wenn man mit einer Greifzange durch die Stadt läuft.
Vielleicht ist das genau der Grund, warum Menschen wie Annelies damit weitermachen. Nicht, weil man durch Pfand reich wird, sondern weil es sich gut anfühlt, etwas Kleines zu tun, das sofort ein sichtbares Ergebnis hat. Eine Greifzange, ein Müllsack und ein stündiger Spaziergang. Mehr muss es manchmal eigentlich nicht sein.
Möchtest du mal mit Annelies unterwegs sein? Über De Groene Witte organisiert sie regelmäßig Aufräumaktionen in Utrecht, bei denen jeder willkommen ist. Wenn du dich ihr anschließt, grüße sie von mir!
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Bildnachweis: thegreenlist.nl.



