Im Winter ist es regelmäßig in den Nachrichten zu lesen: Die Igelstation ist voll. Die freiwilligen Helfer schlagen Alarm, weil mehr Igel kommen, als sie aufnehmen können. Wir haben uns gefragt: Wie ist das möglich? Und noch wichtiger: Was können wir selbst tun, damit Igel nicht im Tierheim landen müssen? Saskia besuchte das Wildtierheim Snorhaar in Utrecht und fand ein überfülltes Tierheim vor, in dem sogar die Kantine zu einem Igelzimmer umfunktioniert worden war. Das ist es, was hier passiert und was du tun kannst!
Was passiert mit einem kranken Igel?
Im Winter werden fast jeden Tag kranke Igel in die Igelstation gebracht. Die Menschen finden sie in ihren Gärten, auf der Straße oder mitten am Tag im Park. Und letzteres ist fast immer ein Alarmsignal. Ein Igel soll im Winter ruhen. Wenn man einen Igel in der kalten Jahreszeit herumlaufen sieht, stimmt meist etwas nicht. Unter Wildschutzhütte Whiskers in Utrecht erhalten wir eine Führung von Frederike Lijffijt. Zusammen mit einem kleinen Team von Freiwilligen kümmert sie sich zum Zeitpunkt unseres Besuchs um rund 130 Igel und einen Hasen.
‘Im Winter sehen wir vor allem Tiere, die nicht genügend Fettreserven angelegt haben’, sagt sie. Ein Igel, der im Herbst so groß wie eine Mango ist, ist einfach zu klein, um den Winter zu überleben. Sie haben dann zu wenig Fett, um ihren Winterschlaf richtig zu beginnen. In der Folge werden sie geschwächt und anfällig für bakterielle Infektionen, Lungenentzündungen und Parasiten wie den Lungenwurm. Auch Flöhe und Zecken können einen ohnehin schon geschwächten Igel weiter auszehren. Ein Igel, der im Winter tagsüber umherstreift, ist also in der Regel nicht niedlich oder neugierig, sondern einfach nur bedürftig.



Besuch der Igelstation im Naturschutzgebiet Snorhaar, wo während des Besuchs 130 Igeln in Not geholfen wird.
Erste Hilfe für Igel in Not
Drinnen angekommen, wird jeder Igel zunächst untersucht. Wie schwer ist er? Ist er dehydriert? Sind Wunden oder Parasiten sichtbar? Manchmal wird auch der Kot untersucht, um nach inneren Parasiten wie dem Lungenwurm zu suchen. Auf dieser Grundlage werden die Igel bei Bedarf mit Medikamenten behandelt. Dann bekommen sie einen Namen und ein eigenes Gehege, manchmal zusammen mit einem anderen Igel, wenn es angebracht ist. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass sie alle etwas anders sind. Manche haben eine spitzere Nase, andere einen dunkleren Kopf oder ein helleres Fell. Kein Igel gleicht dem anderen.
Sie werden gefüttert, in der Regel mit hartem Katzenfutter und Wasser, bis sie ihr Gewicht und ihre Kraft wiedererlangt haben. Einige Igel halten auch im Tierheim Winterschlaf. Dies ist übrigens ein weit verbreitetes Missverständnis: Igel halten keinen langen Winterschlaf von mehreren Monaten am Stück, sondern haben mehrere kürzere Schlafperioden. Sobald sich ein Igel ausreichend erholt hat und stark genug ist, um sich selbst zu versorgen, wird er wieder freigelassen, oft an dem Ort, an dem er gefunden wurde.
Wann ist ein Igel in Not?
Wann sollte man also eingreifen oder nicht? Laut Frederike hängt das stark von der Jahreszeit ab. Im Herbst und Winter ist ein Igel von der Größe einer Mango zu klein. Ohne Hilfe wird er wahrscheinlich nicht überleben. Ein Igel, der tagsüber herumläuft, wenn es kalt ist, apathisch aussieht oder sich nicht zusammenrollt, wenn man ihn anfasst, braucht ebenfalls Hilfe. Im Frühjahr und Sommer ist das anders. Dann sieht man manchmal junge Igel, die allein umherwandern. Das sieht erbärmlich aus, ist aber nicht automatisch ein Problem. Im Zweifel? Bevor man einen Igel mitnimmt, sollte man immer eine Igelstation um Rat fragen. Unnötiges Aufsammeln ist auch für das Tier stressig.
So kann man Igeln helfen, ohne dass sie im Igelheim landen
Die größte Bedrohung des Igels? Das sind wir. Unsere Gärten sind dicht gefliest, fein säuberlich geharkt und mit dichten Zäunen umgeben. Schön und ordentlich für uns, aber eine Katastrophe für einen Igel. Er findet kaum Nahrung und kann oft nirgendwo hin. Übrigens frisst der Igel nicht nur Schnecken, wie oft angenommen wird. Schnecken können nämlich Parasiten übertragen, die Igel krank machen. Was fressen sie am liebsten? Käfer, Raupen, Würmer und andere Insekten. Und genau das wird immer seltener. Nicht nur wegen der vielen Fliesen, sondern auch wegen des Einsatzes von Pestiziden. Gifte gegen Unkraut und Insekten reduzieren das Bodenleben. Weniger Insekten bedeutet weniger Nahrung für Igel. Und weniger Insekten bedeuten auch weniger Nahrung für Vögel und andere Tiere. So gerät das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Ein Garten ohne Summen sieht zwar hübsch aus, aber in Wirklichkeit ist es dort unheimlich still.
Was können Sie tun? Lassen Sie eine Ecke Ihres Gartens schön unordentlich. Denken Sie an Laub, Äste und einen Haufen Baumschnitt. Igel können sich dort verstecken und manchmal sogar ihr eigenes Nest bauen. Haben Sie einen Holzzaun? Machen Sie am unteren Ende eine kleine Öffnung, damit Igel von Garten zu Garten laufen können. Sie brauchen einen großen Lebensraum und sitzen jetzt oft in der Falle. Sehen Sie im Herbst einen kleinen oder abgemagerten Igel? Dann können Sie vorübergehend etwas hartes Katzenfutter und eine Schale mit Wasser hinstellen. Das ist keine bauliche Lösung, sondern eine Notmaßnahme. In einer idealen Welt finden sie ihr Futter von selbst.
Den Igeln in den Niederlanden geht es nicht gut
Der Igel ist vielleicht eines der bekanntesten Wildtiere in unserem Garten. Doch ihm geht es seit Jahren nicht gut. Aufgrund von Verstädterung, versteinerten Gärten, starkem Verkehr und dem Verschwinden von Insekten ist die Zahl der Igel rückläufig. Die genauen Zahlen variieren von Studie zu Studie, aber Wildtierorganisationen sprechen schon seit einiger Zeit von einem besorgniserregenden Rückgang. Und das ist nicht nur traurig, sondern sagt auch etwas über unsere Artenvielfalt aus. Igel sind Insektenfresser. Sie tragen dazu bei, das Ökosystem Ihres Gartens im Gleichgewicht zu halten, indem sie Käfer, Larven und andere kleine Tiere fressen. Weniger Igel bedeutet oft auch: weniger Insekten, weniger Verstecke, weniger Natur. Betrachten Sie den Igel also als Gradmesser. Fühlt er sich in Ihrem Garten zu Hause? Dann ist die Vielfalt an Pflanzen, Insekten und Verstecken meist in Ordnung. Wenn Sie sich gut um den Igel kümmern, helfen Sie automatisch auch vielen anderen Arten. Siehe auch: So helfen Sie den Igeln im Garten!
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- Siehe auch: Besuch der Fischunterkunft.
- Siehe auch: Spende für den Pfad.
Bildnachweis: Fleur Kuijf.



